Nach Jahren des Planens und Vorbereitens war es so weit: die Segelfreizeit der Stadtkirche Heidelberg und dem AMH auf der Pouwel Jonas konnte starten. Im malerischen Hafenstädtchen Harlingen in den Niederlanden traf sich die Besatzung zum ersten Mal persönlich, nachdem man sich schon in Online-Meetings hatte beschnuppern können. Die jungen Erwachsenen kamen teils aus dem Albertus-Magnus Studierenenwohnheim (AMH), teils aus den verschiedenen Pfadfinderstämmen um Heidelberg, einige wenige Mutige hatten über die Stadtkirche Wind von der Sache bekommen und sich auf gut Glück angemeldet.
Es nieselte leicht, als wir die Fracht an Bord hievten: Säckeweise Haferflocken, Milch ohne Ende, Obst, Gemüse, … – alles Bio, versteht sich.
Nachdem auch die Seesäcke und Taschen verstaut und die Kajüten bezogen waren, gab Henri, unser Skipper, das Zeichen zum Ablegen. Ohne große Erklärungen hieß er uns die Segel hissen und los ging’s auf große Fahrt! Das ging gut, denn einige Besatzungsmitglieder waren schon segelerprobt und dann war da ja auch noch Simon, der 18jährige Matrose. Er brachte uns die wichtigsten Knoten bei, zeigte, wo wir ziehen mussten und erklärte uns in ruhigen Minuten voller Begeisterung See und Schiffe.
Die Pouwel Jonas, ein Plattbodenklipper mit Schonerbetakelung, lief hervorragend und erreichte bei gutem Wind stramme 12,5 Knoten über dem Meeresgrund – persönlicher Rekord unseres Käptns Henri. Da der Wind stetig blies, durften einige von uns sogar selbst ans Steuer. Das war eine besondere Erfahrung, immerhin misst das Schiff von Bug bis Heck über 40 Meter…
Aber auch wer nicht am Ruder Stand, war an Deck gefragt, es war schließlich selbst zu acht schwere Arbeit, die Segel zu setzen oder die Großschot zu vieren. Schnell ging uns das Seemannslatein in Fleisch und Blut über und noch Tage nach Ende der Fahrt wachte ich mit pochendem Herzen auf und dachte wehmütig an das ewige „Eins–Zwei!“ zurück, das unsere Kräfte beim Taue-Ziehen bündelte und unsere bunte Gruppe zusammenschweißte.
Unser Törn führte uns über Ijssel- und Wattenmeer, wir besuchten die Inseln Texel, Terschelling und Vlieland und waren im Freilichtmuseum in Enkhuizen. Zwischendurch konnten wir im Meer baden oder an Deck liegen und die Sonne genießen. Oft streckten Seehunde neben uns den Kopf aus dem Wasser, einmal wurden wir sogar von zwei schwarzen Delfinen begleitet. Sonne und Wind blieben uns treu und Simon und Henri verkündeten beide, es sei die schönste Segelwoche des ganzen Jahres gewesen. Das glauben wir gerne!
Jeden Morgen fanden sich ein paar Verrückte um den Sonnenaufgang anzuschauen und genügend Pflichtbewusste, die ein leckeres Frühstück herrichteten. Die Küchenteams, in die wir uns tageweise eingeteilt hatten, tischten immer neue Köstlichkeiten auf und nie gab es Grund zur Klage, außer am Tag nach dem Linsengericht, der bei einigen der Mitgereisten von gehörigen Darmwinden begleitet war. Besondere Freude machte uns auch die große Zahl mitgenommener Flammkuchenböden, die als Vorspeise, Beilage oder mit Apfelschnitzen und Marmelade zum Nachtisch serviert wurden.
Und auch für das geistige Wohl war gesorgt: die Fahrt stand unter dem Thema „Grenzen“, dem sich verschiedenste Impulse von allen Seiten näherten. Mal ging es um unsere selbstgesetzten, mal um die, die wir gerne überwinden würden. Wenn Zeit war, weil wir zum Beispiel vor der Schleuse warteten, trafen wir uns zu Leserunden und Diskussionen über theologische und gesellschaftliche Themen. Außerdem gestaltete jeden Tag eine*r der Mitgereisten eine Abendandacht unter den Sternen, bei der der Tag reflektiert und gemeinsam abgeschlossen werden konnte. Es folgten ausgedehnte Spieleabende und Singerunden, aus denen uns so mancher Ohrwurm bis nach Hause verfolgte.
Am vorletzten Tag fielen wir bei Ebbe trocken (geplant) und konnten vom Schiff aus auf dem Watt wandern gehen, weit weg vom lauten Rest der Welt. Im Schlick fanden wir Seesterne, Krebse und sogar eine große Qualle, die in einer aufreibenden Aktion mit einer Salatschüssel gerettet wurde.
Nicht wenige fühlten sich vom jetzt auf einmal nahen Ende der Segelfreizeit überrumpelt. So gut hatten uns der weite Horizont, der Wind und die fröhliche Gesellschaft alle Alltagssorgen vergessen lassen. In letzten Gesprächen nahmen wir voneinander Abschied, während wir schon in den Hafen einliefen, in dem alles begonnen hatte – Harlingen.
Ein letztes Mal packten wir alle gemeinsam an, brachten unser Gepäck von Bord, schrubbten Deck und Kombüse und verabschiedeten uns liebevoll von unserem Schiff, der Pouwel Jonas. Wir waren als Einzelne gekommen, als Gemeinschaft gingen wir auseinander.
Epilog: Die Heimreise in Fahrgemeinschaften verlief glatt, wir kamen gut zurück nach Heidelberg. In der Begeisterung wurde beschlossen (mindestens) ein Nachtreffen zu veranstalten, die Planungen laufen. Wir mussten feststellen, dass das Meer klamm in allen mitgenommenen Klamotten hing, ebenso der „liebliche Mief“ (Zitat Pepe), der sich unter Deck ausgebreitet hatte. Noch zwei Tage später schwankt uns gelegentlich der Boden unter den Füßen – seekrank wurden wir erst zurück an Land.
Vielen Dank allen Planer- und Unterstützer*innen, den Betreuer*innen an Bord, Henri, Simon und der wunderbaren Crew vor dem Mast!
Text: Jakob Frank














































































